Das Mädchen das den Himmel berührte

Das Mädchen das den Himmel berührteIch lese derzeit das zweite Buch von Luca di Fulvio und bin davon, wie auch schon von seinem Buch „Der Junge der Träume schenkte“, begeistert. „Das Mädchen das den Himmel berührte“ erzählt die Geschichte von mehreren Personen. Dem Juden Isacco und seiner Tochter Giuditta die sich von Negroponte, der heutigen griechischen Insel Euböa, aufmachen, um in Venedig ein besseres Leben zu führen. Den Halbwüchsigen Mercurio, Benedetta und Zolfo, die aus Rom flüchten müssen, weil sie den Juden Shimon zuerst bestohlen und dann fast getötet haben. Sie erzählt auch von Shimon und von Bruder Amadeo, die beide von ihrem Hass getrieben werden. Hauptperson ist hierbei Mercurio dessen Lebensziel es ist frei zu sein. Frei sein eigenes Leben zu leben. Frei davon die Befehle anderer auszuführen. Die Geschichte spielt dabei die meiste Zeit im Venedig des frühen 16. Jahrhunderts und sie thematisiert einen Dauerbrenner der menschlichen Geschichte ist: Die Furcht vor bzw. den Hass auf andere Rassen, Andersgläubige und Andersdenkende. Im Falle dieser Geschichte: Die Juden.

Mir gefällt vor allem der Schreibstil von Luca di Fulvio und die Art wie er seine Charaktere aufbaut. Ich würde die gut 970 Seiten des Buches am liebsten auf einen Rutsch lesen. Auch weckt es in mir, mal wieder, die Lust Venedig zu besuchen.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass es sich um einen Roman und nicht um ein Geschichtsbuch handelt und somit viele Details nicht so ganz der geschichtlichen Wahrheit entsprechen. Allerdings ist diese oft sowieso nicht ganz eindeutig zu ermitteln. Immerhin liegt diese Zeit bereits 500 Jahre zurück und die Geschichte wird ja bekanntlich zu einem Großteil von den Herrschern und den Siegern der Kämpfe und Schlachten geschrieben und weniger von den Unterdrückten.

Sehr gut gefallen hat mir ein Absatz in dem Buch, in dem Anna, Mercurios Ersatzmutter zu ihm sagt: „Das Leben ist einfach. Wenn etwas schwierig wird, bedeutet das, dass wir etwas falsch machen. Vergiss das nie. Wenn das Leben schwierig wird, dann weil wir selbst es uns schwierig machen. Glück, Schmerz und Verzweiflung sind einfach. Ganz einfach. Das ist nichts schwieriges dran.“

Und noch ein Absatz, der mir gefallen hat: „Es gibt keine zu großen Träume … Träume kann man nicht messen. Sie sind weder groß noch klein.“ … „Weißt du, die Menschen, die sich ein allzu leichtes Ziel in den Kopf setzen …“ sagt Anna nachdenklich, „und das auch schnell erreichen … die ruhen sich auf ihren Lorbeeren aus und sterben innerlich ab. Die treten dann ihr ganzes langweiliges Leben auf der Stelle.“

Noch habe ich das Buch erst zur Hälfte gelesen, aber ich wollte nicht bis zum Schluss warten, um das hier aufzuschreiben. Ich kann „Das Mädchen das den Himmel berührte“ und auch „Der Junge der Träume schenkte“, welches im New York des frühen 20. Jahrhunderts spielt und die Geschichte von Natale (englisch Christmas) erzählt, beide nur wärmstens zum Lesen empfehlen.